Zehn Jahre Ortsvorsteher
- Denis Achtner

- 14. Apr.
- 5 Min. Lesezeit

10 Jahre OrtsvorsteherHeute vor zehn Jahren wurde ich durch die Mitglieder des Ortschaftsrats Böhlitz-Ehrenberg zum neuen Ortsvorsteher Böhlitz-Ehrenbergs gewählt, nachdem mein Vorgänger, Dietmar Kern, aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Bis 2011 war ich politisch nicht aktiv und lebte mein ehrenamtliches Engagement als Nachwuchstrainer und Vorstandsmitglied im Rollhockeyclub Aufbau Böhlitz-Ehrenberg e. V. aus. Erst mit den beiden Hochwassern 2011 und 2013, bei denen nicht nur das Rollhockeystadion sondern auch angrenzende Sportstätten, Gartenanlagen und Privathaushalte betroffen waren, reifte bei mir der Gedanke, sich auf Ortsebene politisch zu engagieren und auf Problemlagen hinzuweisen und einzuwirken. Fortan engagierte ich mich auch in der Bürgergesellschaft Böhlitz-Ehrenberg e. V. unter der Leitung von Dietmar Kern, der mich dann auch fragte, ob ich nicht für die Ortschaftsratswahl im Jahr 2014 antreten wolle. So wurde ich Mitglied im Ortsverband der CDU und stellet mich am 25. Mai 2014 zur Wahl und erhielt 679 Stimmen. Damit war ich gewählter Ortschaftsrat unter unserem neuen Ortsvorsteher Dietmar Kern.
Gut zwei Jahre hatte ich Gelegenheit, bei zahlreichen Ortschaftsratssitzungen im Rat anzukommen und zu lernen, wie Kommunalpolitik funktioniert, brachte mich hinsichtlich des Wiederaufbaus der beschädigten Gebäude u. a. der Sportstätten nach den Hochwassern ein, ohne genau zu wissen, wie letztendlich mit Entscheidungen des örtlichen Gremiums auf der nächsthöheren Ebene – im Stadtrat und in der Stadtverwaltung – umgegangen wird. Damit sollte ich aber früher konfrontiert werden, als gedacht.
Nach der Verkündung des Rückzugs Dietmar Kerns musste aus den Reihen des Ortschaftsrates ein Nachfolger gefunden werden. Die CDU stellte fünf Sitze und hatte die absolute Mehrheit. Daher war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass auch ein CDU-Vertreter im Ortschaftsrat den Sitz des Ortsvorstehers übernehmen wird. Auf dem Heimweg von der März-Ortschaftsratssitzung im Jahr 2016 fragte mich Andreas Faulhaber, mit dem ich ein Teil des Weges ging, ob ich mir nicht vorstellen könne, Ortsvorsteher zu werden. Auf meine Nachfrage, ob er denn nicht Ambitionen danach hätte, entgegnete Andreas Faulhaber, dass er sich gerne der Herausforderung des Stadtrates stellen wolle. Mit Dietmar Kerns Rückzug wurde auch ein Platz im Stadtrat frei und Andreas Faulhaber hatte zur Stadtratswahl die drittmeisten Stimmen auf sich ziehen können, sodass er in den Stadtrat nachrücken könne.
Viel Zeit zum Überlegen blieb nicht, denn im Vorfeld der Aprilsitzung mussten zahlreiche bürokratische Hürden gemeistert werden, doch mich reizte der Gedanke, mehr für Böhlitz-Ehrenberg eintreten zu können sehr. Somit unterzeichnete ich die Bereitschaftserklärung zur Übernahme des Ortsvorsteherpostens, die vorab nötig war und am 14. April 2016 erfolgte die Wahl zum Ortsvorsteher. Es gab keinen Gegenkandidaten und mit einer Enthaltung wurde ich mehrheitlich gewählt.
Einen Monat später wurde ich am 18. Mai 2016 vom Oberbürgermeister Burkhard Jung in der Ratsversammlung vereidigt und nahm die Arbeit als Ortsvorsteher auf. In den folgenden Monaten musste ich lernen, wie Verwaltung funktioniert und vor allem, wie sie tickt. Gestartet bin ich mit meinem Leitgedanken „Böhlitz-Ehrenberg im Herzen – Leipzig im Blick“, dem ich auch heute noch folge. Allerdings ist der Blickwinkel leider ein anderer. Ich fühlte mich von Anbeginn an als Leipziger und wollte der Aufgabe als Vermittler zwischen Stadt und neuem Ortsteil auch gerne nachkommen. Heute fühlt es sich eher als Bewahrer der örtlichen Identifikationsgrundlagen an. Es ist ein stetiger Kampf, wenn nicht sogar Krampf um alles und jeden. Freiwillig wird seitens der Stadt in die Stadtrandlagen nur selten investiert – sei es unsere neue Schule – hier musste meine Amtsvorvorgängerin, Frau Teubner, sogar gegen die Stadt klagen – oder die neue Sporthalle für den Leipziger Westen, die bei uns im Ort entstehen soll – auch hier wird seit Jahrzehnten auch aus Richtung Rückmarsdorf und Burghausen – dafür gekämpft. Leider gibt es bei den zahlreichen Kämpfen nicht immer positive Ausgänge. So wurde unser Jugendclub geschlossen, ebenso die Kita „Auenzwerge“ in der Auenstraße. Unsere beliebte Streetballanlage im Bielagarten fiel zunächst einem Schaden zum Opfer und durfte dann aus Lärmschutzbedenken nicht am gleichen Ort wieder aufgestellt werden. Für den Ersatz kämpfen wir bis zum heutigen Tag. Die Ersatzspielgeräte im Bielagarten stehen bis zum heutigen Tag nicht und auch für die Streetballanlage ist bis heute noch kein neuer Standort festgelegt.
Sie können sich sicher vorstellen, dass diese ständigen Kämpfe ermüdend sein können. In den letzten drei bis vier Jahren hat man das Gefühl, nur noch zu verwalten. Besonders ärgert mich die Art und Weise des Umgangs mit den Stadtrandlagen und den örtlich gewählten Gremien. So musste ich mehrfach Stadtratsbeschlüsse herbeiführen, die dafür sorgen, dass die örtlichen Gremien auch so eingebunden werden, wie es die Sächsische Gemeindeordnung vorgibt. Auch sollte sich die Stadt vor Augen führen, dass geschlossene Verträge nicht nur Willensbekundungen sind, die man nach Gutdünken ad Acta legen kann. Und auch nach mehr als 25 Jahren ist es einfach nur ärgerlich, dass in mancher Amtsstube noch nicht angekommen zu sein scheint, dass der Ortsvorsteher auf Ortsebene der Stellvertreter des Oberbürgermeisters ist und nicht ein einfacher Lakai – ganz zu schweigen von dem anscheinend nicht überall vorhandenen Wissen, dass die gesamte Arbeit des Ortsvorstehers im Ehrenamt erfolgt. Hier ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.Der Arbeitsaufwand als Ortsvorsteher hat sich in den zehn Jahren um einiges vervielfacht. Im Grunde kann man die Arbeit als Ortsvorsteher nur machen, wenn man Rentner, Selbstständig oder Millionär ist. Da die Verwaltung ja auch in der Regelarbeitszeit von 8.00 bis 17.00 Uhr arbeitet (gefühlt 8.00 bis 12.00 zumindest was die Wahrscheinlichkeit betrifft, jemanden in dieser Zeit an das Telefon zu bekommen), kann man sich vorstellen, dass es nicht selten vorkommt, dass man auch in dieser Zeit aktiv sein muss, um Angelegenheiten und Probleme des Ortes an entsprechender Stelle anzubringen – und das in der eigenen Kernarbeitszeit, in der man seine Brötchen verdienen muss, um seinem „Hobby“ als Ortsvorsteher nachkommen zu können.
Zum eigentlichen Gestalten kommt man kaum noch. Um so mehr freut es mich, dass wir am 25. April das „Oaklab“ in der „Großen Eiche“ eröffnen werden. Hier gibt der Ortschaftsrat unter der Projektorganisation meines Stellvertreters Christopher Werge einen Startschuss für die Weiterbelebung des zukünftigen Stadtteilzentrums, dessen Konzeption seit 2012 vertraglich zugesichert war und nun endlich in Umsetzung kommen soll – zumindest – und hier kommt wieder ein ABER – wenn es die Haushaltsituation der Stadt zulässt. Das „Oaklab“ soll der erste Schritt sein, bei dem wir einen Raum für zahlreiche Nutzungen über alle Altersgruppen hinweg bieten wollen. Wer mehr darüber erfahren möchte, schaue auf www.oaklab-be.de vorbei.
Ich könnte an dieser Stelle auf weitere zahlreiche Beispiele und Anekdoten eingehen. Vielleicht gibt es diese irgendwann mal als gesammelte Werke zu Nachlesen. Der Anfang ist hiermit gemacht. Für die Zukunft werde ich meinem eingangs erwähnten Leitspruch weiter folgen, werde jede Gelegenheit nutzen im Rahmen der monatlichen Stadtratssitzungen die Kontakte zu den Entscheidungsträgern aller Parteien zu pflegen und auf Probleme und Projekte in Böhlitz-Ehrenberg hinzuweisen und für Lösungsansätze zu werben.An dieser Stelle ein herzlichen Dank an alle Bürgerinnen und Bürger, die mich dabei unterstützen, an alle Ortschaftsräte, die sachorientiert zum Wohle Böhlitz-Ehrenbergs mitarbeiten und zum Schluss ein ganz herzliches Dankeschön an meine Familie, die mir den Rücken freihält und es ob der zahlreichen Termine nicht immer leicht hat. DANKE!
Ihr Denis Achtner
Ortsvorsteher Böhlitz-Ehrenberg

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